Beschwerden und Schmerzen beim Klettern

 

Klettern SardinienAls Therapeut und aktiver Kletterer hat es sich im Laufe der Zeit ergeben, dass ich mit diversen Verletzungen und Überlastungsbeschwerden konfrontiert wurde, die mit dem Klettersport in Zusammenhang stehen.

Schmerzen beim Klettern können sehr unterschiedliche Körperregionen betreffen, und einen genauso vielfältigen Entstehungsmechanismus haben. Eine genaue Diagnostik hilft, die schmerzhafte Struktur festzustellen. Testung (und Behandlung) des gesamten Rumpf-Arm-Bereiches sind notwendig, um einen ergonomischen Bewegungsablauf zu schaffen und so chronisch gereizte Gelenke nachhaltig zu entlasten und den Schmerz loszuwerden.

Häufige Verletzungen

 

Typisch auftretende Beschwerden bei Kletterern sind:

  • Ringbandverletzungen
  • Überlastungen der Fingergelenke (häufig des Ringfingers)
  • Sehnenscheidenentzündungen (Tendovaginitis)
  • Golferellenbogen (Epicondylitis medialis)
  • Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis)
  • Diverse Schulterbeschwerden
  • Hooker-Knie / Hooker-Oberschenkel

Ursachen, Behandlungsmethoden, Ausgleichstraining

 

Akute Ringbandverletzungen sind nicht in diesem Sinne "behandelbar", sondern eher zu diagnostizieren und richtig zu managen. Aufklärung über Tapen, Pausezeiten und unterstützende Maßnahmen stehen hier im Vordergrund. Nur selten findet man therapierbare Ursachen für einen Ringbandriss.

Anders ist es bei chronischen Überalstungsbeschwerden der Finger, des Ellenbogens, der Schulter oder bei Schmerzen im Knie oder im Oberschenkel beim hooken. Diese Beschwerden haben in vielen Fällen einen komplexen Hergang und mehrere Gründe als "einfach überlastet". Deshalb können sie auch so langwierig sein. Bei Schmerzen irgendwo am Arm birgt beispielsweise eine schlechte Schulterblattstabilisierung oder ein falsches Bewegungsmuster der Schulter Stress für die Faszien und Muskelkette der gesamten oberen Extremität, da sich die Biomechanik verschlechtert. Es ist notwendig, Kletterbewegungen zu analysieren und gezielt an schwachen Gliedern der Kette zu trainieren und neue Bewegungsmuster zu erlernen, um überlastete Bereiche nachhaltig zu entlasten. Weiters gehören veraltete Verletzungen, (nicht merkbare) Verspannungen der Arm- und Schulterblattmuskulatur behandelt und gelockert.

"Mehrere Wochen Pause, und der Schmerz war noch immer gleich."

 

Eine Aussage, die ich von Kletterern oft höre. Gehören Sie dazu, stellen Sie sich die Frage, ob ihre Schmerzen womöglich noch eine andere Ursache als nur "klettern" haben könnten. Auch, wenn Sie die Beschwerden primär beim Klettern oder nach dem Klettern wahrnehmen.

Eine kleine Fehlbelastung wird durch ständige Wiederholung zur ÜBER-lastung. Gelenke, Sehnen und Muskeln, die der Fehlbelastung unterliegen, kommen mit der Regeneration nicht schnell genug nach, es entsteht zuerst ein temporärer Schmerz (am Anfang / während / nach der Maximalbelastung Sport), der in Ruhe bald wieder vergeht. Wird die Ursache nicht behoben, werden Schmerzphasen länger und die Belastbarkeit labiler. Mit der Zeit entsteht eine chronische Entzündung, die Gelenke sind dabei oft etwas angeschwollen. Diese Entzündung macht zudem oft in Ruhe Schmerzen und tut auf Druck oder in der Nacht weh.

Überlastungen durch "Technikfehler" können abseits vom Klettern aber auch bei anderen, alltäglichen Bewegungen stattfinden. Zum Beispiel in der Arbeit (asymmetrische Haltung, einseitige Belastung...), beim Tragen von Gewichten immer mit derselben Hand (siehe Bild), beim Sitzen am Schreibtisch durch ein permanentes Anspannen der Maushand, etc. Sind Schulterblattstabilität, Beweglichkeit und Kraftbalance bei einem Kletterer unauffällig, findet man den Auslöser und die Quelle der ÜBER-lastung vielleicht außerhalb des Kletterns. In diesem Fall führt eine Pause vom Klettern (logischerweise) nicht oder kaum zur Linderung der Symptome, da der Fehlreiz im Alltag noch immer stattfindet.

Dass der Schmerz dennoch primär während oder nach dem Klettern wahrzunehmen ist, kommt von den auftretenden Maximalbelastungen beim Sport. Sie sind um ein vielfaches grösser als im Alltag und lassen die latente, chronische Entzündung akut werden. Eine verbesserte Ergonomie im Alltag entlastet diese Regionen, wodurch sie auch für kräftige Belastungen strapazierfähig werden. Alltagssituationen, Vorverletzungen und andere Spannungsauslöser müssen untersucht und ausgemerzt werden, um die Schmerzen beim Klettern nachhaltig weg zu bekommen. Hierzu folgendes Beispiel: Stellen sie sich vor, Sie sind am Ende eines "8h"-Dauerlaufes, ihr Muskeln sind eigentlich müde und am liebsten würden Sie stoppen. Nun plötzlich sollen Sie noch für eine Minute Sprint anhängen. Sie starten, aber können nicht, da Ihnen Der Schmerz zu stark in den Beinen sitzt. Was war schuld am Schmerz? Der Sprint, oder der Dauerlauf direkt davor? Wo würden Sie ansetzen, um wieder Sprinten zu können?

Diagnostik und Behandlung

 

In der Therapie werden verschiedene Methoden zur Diagnostik und Behandlung eingesetzt. Mittels manuellen Tests lässt sich eine relativ genaue Diagnose machen. Antworten über Beginn und Auslöser, Schmerzort, Schmerzverhalten sind zusätzliche Anhaltspunkte die bei der Spezifizierung helfen. Bildgebende Verfahren wie ein Röntgen, ein MRT und Ultraschallbilder sind ebenso hilfreich, aber primär bei unfallsbedingten Verletzungen mit hoher Krafteinwirkung wirklich notwendig. (Beispielweise ein Ultraschall bei Ringbandverletzungen mit bow-stringing oder eindeutigem "Schnalzer" während der Verletzung um die Schwere der pulley-läsion einzuschätzen oder ein spezielles MRT bei Verdacht auf (unfallsbedingte) Bicepssehnen / Labrumläsion). Ist die schmerzhafte Struktur gefunden, lassen sich die notwendigen Maßnahmen zur Schmerzlinderung leichter treffen.

Schmerzhafte Bewegungen werden zur Testung vor wie nach jeder Therapie probiert. Häufig ist ein sofortiger Unterschied nach Behanlungstechniken an Gelenken, Faszien oder der Muskulatur spürbar (leichter, weiter, weniger schmerzhaft...). Dies hilft mir als Therapeut detaillierter einzuschätzen was das Problem ist, und weiter einzugrenzen, wie ich es positiv beeinflussen kann - und wie Sie es positiv beeinflussen können!

Eine kleine Kletterwand sowie einige Trainingtools in der Praxis helfen, um Bewegungsabläufe zu sehen und Schwächen in der Bewegungskette zu erkennen. Ausgleichstraining macht allerdings erst dann Sinn, wenn die schmerzauslösende Struktur sich erholt hat, und die Entzündung sowie der Schmerz vergangen sind.

 

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Gerne erarbeite Ich mit Ihnen gemeinsam, wie Sie an Ihr Problem am besten herangehen. Haben Sie Fragen, stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Fels- und Bergerfahrung

Seit zehn Jahren widme ich mich dem Kletter- und Bergsport. Die letzten fünf Jahre davon sehr intensiv. Am Felsen mehr als in der Halle, mehr sport- und alpinklettern als bouldern. In den Wintermonaten dominiert dennoch spezfisches Bouldertraining.

In Südamerika konnte ich meine höchsten Bergbegehungen machen: Tocllaraju (6.034m), Cotopaxi (5.897m) und Ishinca (5.530m). Im alpinen, gebohrten Klettern war meine schwierigste Begehung 7b (UIAA: 8+/9-), im Sportklettern um Graz konnte ich einige 8as (UIAA: 9+/10-) und auch 8a+ (UIAA: 10-) punkten.